Langsam führte Sie ihren Kaffeebecher an die Lippen, und nippte daran. Der Kaffee schmeckte scheußlich, aber es war das Einzige was Sie momentan kriegen konnte. Koffeinfrei. Lauwarm. Mit Zucker. Widerlich.
Früher hatte sie Ihren Kaffee jeden Tag am Bahnhof bei Starbucks geholt. Schon wenn sie den Bahnhof betrat stieg ihr der herbe Geruch in die Nase, der sie unweigerlich an Ihren Vater erinnerte. Die völlig überteuerten Preise waren ihr egal, denn seitdem Sie den Job an der Universitätsklinik angenommen hatte konnte sie es sich leisten. Außerdem war es ein kleines Stück Normalität, bevor sie sich stunden-, ja manchmal tagelang der surrealen Krankenhauswelt hingab.
Das winzige Stück Gemütlichkeit welches der Kaffee dem kalten Kellerraum nun gab, ließ sie wieder hoffen.
Es begann an Morgen des 03. Oktober. Wie immer holte sie sich ihren Kaffee am Bahnhof, und machte sich auf dem Weg zum richtigen Gleis. Seitdem Sie sechs Opfer eines schrecklichen Verkehrsunfalls behandelt hatte, von denen vier verstarben und zwei für ihr Leben entstellt waren, zog sie es vor nicht mehr mit dem Auto zur Arbeit zu fahren. Außerdem genoss sie es, sich fahren zu lassen, und währenddessen die Tageszeitung zu lesen. Sie wusste, dass die meisten ihrer Freunde glaubten, dass ihr Job sie in ihrem privaten Handeln und Tun zu sehr einschränkte, und dass sie nach ihrer Schicht abschalten sollte. Aber die waren auch noch nie Ärzte gewesen. Es gibt eben Jobs, die kann man Abends nicht abstellen.
An diesem Morgen traf sie einen Patienten im Zug. Jonathan hieß er, daran erinnerte sie sich noch. Er setzte sich neben sie, und begann einfach zu erzählen. Was er seit dem Unfall alles erlebt hatte. Wie seine Umwelt auf sein entstelltes Gesicht reagiert hatte. Wie seine Freundin ihn verlassen hatte. Und schließlich, wie sehr er die Ärzte dafür verurteilte, dass sie ihm kein besseres Gesicht hatten geben können.
Dies war der Punkt an dem es für sie wirklich unangenehm wurde. Bisher hatte sie gerne zugehört. Immerhin war dieser Unfall auch für sie ein prägendes Ereignis gewesen, wenn auch nicht so prägend wie für den Mann der ihr gegenübersaß. Aber nun musste sie sich verteidigen.
Fortsetzung folgt...
Fortsetzung folgt klingt sehr verheißungsvoll. Danke für diesen Text, Anna.
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