Dienstag, 22. Juni 2010

Zusammen Single sein

Wenn Freunde auf der Ersatzbank sitzen...

Wir können heute nicht, wir sehen uns das Spiel an". "Wir könnten uns ja am Sonntag treffen, da hat XYZ eh keine Zeit". "Wir essen neuerdings gerne Lakritzschnecken".

Wir??? Wer zum Teufel isst gerne Lakritzschnecken, und wie verdammt noch mal kommt es, dass zwei Menschen zu exakt der gleichen Zeit die selbe Leidenschaft entwickeln, wenn einer von ihnen doch vorher immer gepredigt hat, dass Süßigkeiten aller Art nicht gut sind, oder dass Lakritze so ziemlich das ekelhaftest sind, was man sich vorstellen könne? Und seit wann steht meine Beste Freundin eigentlich auf Fussball?
Ich verstehe es nicht. Wir leben in einer Welt, in der jeder das denken und sagen darf was er will. In dem die Meinungsfreiheit als oberstes Gebot gilt, und sogar im Gesetz festgehalten ist, ganz weit vorne. Mein Freund versteht das.

Wir lieben uns sehr. Wir sind seit einigen Jahren sehr glücklich miteinander, teilen die Wohnung, das Bett, und diverse Interessen. Wir genießen unsere Abende zu zweit, und ja, es kommt auch mal vor, dass wir jemandem absagen, wenn wir schon etwas zu zweit geplant haben. Aber wir sind doch immer noch zwei Menschen, und nicht nur einer. Ich hasse Fussball, mein Freund hasst Schuhe. Ich will auch mal mit meinen Freundinnen alleine sein, und mein Freund will auch mal mit seinen Kumpels in Ruhe ein Bier trinken.Ich gehe ins Schlafzimmer, wenn er Dr. House im Fernsehen will. Weil es mir nicht gefällt, und weil ich das auch ruhig sagen darf.

Was sind das für Menschen, die während einer Beziehung zu einer Einheit verschmelzen? Warum ist es für diese Leute so schwer, auch mal sie selbst zu sein? Ist es immer nur einer, der sich anpasst, oder treffen sie sich in der Mitte? Kann das funktionieren, oder funktioniert es bei denen vielleicht nur so?
Woher kommt diese Zwanghafte Annahme, man müsse immer alles toll finden, was der andere toll findet. Ist die Liebe wirklich eine so große Macht, dass alles andere dafür in den Hintergrund rückt? Warum geht meine Beste Freundin neuerdings mit einem Mann shoppen, obwohl ich sie viel besser beraten könnte? Und warum bin ich für meine Mädels nur noch wichtig, wenn die Männer mal ihre Ruhe wollen?
Vielleicht weil man mit seinen Freunden keinen Sex haben kann. Oder weil man sie nie so sehr liebt wie den eigenen Partner. Oder weil man Angst hat, nicht zu gefallen. Aber sollte man nicht davon ausgehen, dass man dem, mit dem man eine Liebesbeziehung führt, auch gefällt?

Ich werde mich morgen mit einer Freundin treffen, die Single ist. Und wir werden uns wie Singles verhalten. Im Café Männer ansehen, laut kichern, vielleicht ein bisschen Shoppen, und ein Eis essen. Später Cocktails trinken, wieder Männer ansehen, und Abends werde ich glücklich zu meinem Freund ins Bett sinken, der einen entspannten Fernsehabend hinter sich hat.
Und sollte eine meiner anderen Freundinnen sich trennen: Ich bin immer noch zusammen Single.

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